Zwei Upcycling-Techniken, um kaputte Kinderjeans gleichzeitig zu reparieren und zu verlängern

Ich muss schon gestehen, dass ich leicht panisch wurde, als der Kleine letztes Jahr im Wochentakt mit einer kaputten Hose nach Hause kam. Er kann richtig coole Sachen bauen, wir sind davon schwer beeindruckt. Klar, dass die Knie der Hosen da an ihre Grenzen kommen. Zu Weihnachten war der Stapel Hosen auf meinem Nähtisch größer als der Stapel im Kinder-Kleiderschrank. Was wiederum allerdings meine Motivation, etwas Cooles zu nähen, völlig lahm gelegt hat.

Ich habe einen Haufen Ideen und was ich als nächstes nähe folgt ziemlich unstrukturiert meiner Intuition. Plötzlich ergibt sich da eine Idee, ein Bild formt sich in meinem Kopf, und dann geht’s los. Es ist schon so, dass ich immer Sachen nähe, die wir generell brauchen. Aber normalerweise gibt mir das lediglich Impulse, es ist nicht so, dass ich etwas nähen MUSS, weil sonst jemand droht, nichts mehr zum Anziehen im Schrank zu haben. Ihr versteht das Dilemma.

Warum normale Flicken nur eine kurze Lösung sind

Als ich letztes Jahr einen Unfall hatte und nicht an der Nähmaschine sitzen konnte, habe ich Flicken mit der Hand aufgenäht.

Daran ist nichts Verwerfliches. Warum ich das trotzdem normalerweise nicht mache: wenn man die Flicken mittig auf das Loch aufnäht und das Kind wächst, kann man schon mal die Tage zählen, bis 3 cm weiter unten das nächste Loch entsteht. Die (zugegebenermaßen ziemlich coolen Rennauto-)Flicken habe ich wieder abgetrennt, vielleicht finden sie noch mal eine Verwendung.

Hosen reparieren ist also besonders nachhaltig, wenn die Hosen danach noch lange halten. Weil Kinder wachsen, verlängere ich die Hosen im gleichen Zug gerne noch. Wie man besonders Stabile Einsätze näht, habe ich schon einmal in diesem Beitrag zusammengefasst:

Heute zeige ich euch zwei verschiedene Techniken der Verlängerung:

  • Einteilige Einsätze, die rundherum gehen
  • Zweiteilige Einsätze, die auch versetzt an verschiedenen Stellen vorne und hinten platziert sein können

Jeans verlängern mit einem Rundherum-Einsatz

Bei dieser Variante trenne ich die Außen- ODER Innenbeinnähte auf und schneide die Hosenbeine mit einem geraden Schnitt auseinander. Gerade heißt hier nicht unbedingt 90° zur Naht, es kann auch schräg angesetzt werden. Auf jeden Fall sollten die verbeulten Knie weggeschnitten werden. Daher schneide ich mit einem zweiten Schnitt (der parallel sein kann, aber nicht muss) ein Mittelstück vom Hosenbein ab. Dieses nehme ich als Schnittmuster, rechne 8 bis 10 cm dazu und schneide das neue größere Stück 2x gegengleich aus einem anderen Jeans-Rest aus.

Ich nähe den neuen Einsatz an der oberen Hosenhälfte an und steppe die Nähte noch einmal im Look der Hose ab. Dann folgt das Gleiche auf der Unterseite. Jetzt müssen nur noch die Innenbeinnähte geschlossen werden und schon ist die verlängerte Hose fertig.

Auf diese Art und Weise habe ich schon einige Hosen verlängert. Hier seht ihr ein paar Beispiele:

Jeans verlängern mit zweiteiligem Einsatz

Bei dieser Variante trenne ich die Außen- UND Innenbeinnähte auf und schneide die Hosenbeine mit einem geraden Schnitt auseinander. Gerade heißt hier nicht unbedingt 90° zur Naht, es kann auch schräg angesetzt werden. Auf jeden Fall sollten die verbeulten Knie weggeschnitten werden.

Vorne und hinten rechne 8 bis 10 cm dazu und schneide die neuen größere Stücke 2x gegengleich aus einem anderen Jeans-Rest aus.

Der Rest funktioniert wie oben mit dem Unterschied, dass beide Beinnähte jeweils wieder geschlossen werden.

Upcycling mit Zwillingsnadel

„Wofür wollen Sie die Zwillingsnadel denn benutzen?“ Die Frage im Nähladen kam unerwartet. Das war doch wohl klar. „Um bei dehnbaren Stoffen schönere Saumabschlüsse zu nähen. Im Moment mache ich immer einen Zickzackstich.“ „Wussten Sie, dass es mittlerweile auch dehnbares Garn gibt? Schauen Sie mal hier!“ Ratter, ratter. „Aber dann muss ich doch dehnbares Garn in allen Farben kaufen, wenn es immer zu den Stoffen passen soll?! Das wäre ja wesentlich teurer.“ Ich habe dann für 6 € die Zwillingsnadel gekauft. Wie kam der überhaupt dazu, mich von meinem guten Jahresvorsatz abzubringen?

Wenn man eine Zwillingsnadel benutzt, hat der Saum zwei parallele gerade Nähte, ist aber trotzdem dehnbar.

Seit meine Schwester gesagt hatte, dass das mit der Zwillingsnadel total einfach ist, wollte ich es unbedingt auch einmal probieren. Schon alleine, dass man zwei perfekt parallele Nähte damit nähen kann. Das wäre mit dem dehnbaren Garn nicht gegangen. Und bei einer Coverlock bin ich mental noch nicht, auch wenn die Zwillingsnadel natürlich erstmal nur eine schöne Naht von der rechten Seite produziert und den Stoff auch nicht abschneidet.

Nach einigem Hin und Her mit der Fadenspannung (bei der alten Pfaff-Nähmaschine von meiner Mama kann man auch noch die Fadenspannung beim Unterfaden einstellen…) habe ich es dann auch tatsächlich hinbekommen.

Wer mir länger folgt, kennt auch die Hose – das ist jetzt ihr viertes Leben, ich glaube sie hat gutes Karma ;-)

Im Mai 2021 habe ich aus zwei kaputten Jogginghosen eine neue grau-blaue genäht. Als diese an den Knien wieder kaputt war und noch dazu zu kurz, habe ich sie im August 2022 mit einem anderen Upcycling-Rest noch verlängert. Ihr neues Leben hat sie als kurze Hose – da kann sie zumindest nicht mehr an den Knien kaputt gehen ;-)

Kennt ihr schon die vielen Varianten, mit denen ihr kaputte Kinderhosen zu Shorts kürzen könnt?

Upcycling, „cost per wear“ und zum Ende des Jahres die besinnliche Frage, ob sich das alles hier eigentlich lohnt

Heute schreibe ich einen Blogbeitrag über ein Kinder-Langarmshirt, das ich zu einem T-Shirt gekürzt habe. Ich mache oft kleine Reparaturen und schreibe darüber in der Regel keine Blogbeiträge. Mir geht es heute auch gar nicht um die Technik (Anleitung: Ärmel abschneiden, neu säumen, fertig – hier gibt’s nicht mal besonders viele schöne Fotos). Aber ich würde gerne etwas zum Thema „cost per wear“ und Nachhaltigkeit schreiben.

„Bettina, das lohnt sich wirklich nicht“. Ich hatte meinem Mann gerade erklärt, dass man das alte Lieblings-„Xmas-Tree-Rex“-Shirt (das übrigens das ganze Jahr getragen wird) noch retten könne, indem man die völlig aufgescheuerten Ärmel-Enden abschneiden und ein T-Shirt draus machen könne. Mir war auch klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch der Rest des alten Shirts durchgescheuert und damit final unbrauchbar sein würde. „Ich mache es trotzdem“. Während ich an der Nähmaschine saß, musste ich über den Begriff „lohnen“ nachdenken.  

Lohnen bedeutet „in ideeller oder materieller Hinsicht von Nutzen sein, aufzuwendende Mühe oder Kosten rechtfertigen“. Oder auf Englisch: to be worth it = „enjoyable or useful despite the fact that you have to make an effort“. Wenn man mal überlegt, wie viel Mühe und Zeit ich ins Upcycling stecke und was der Kostenspareffekt ist, dann könnte man leicht dahin kommen zu sagen, dass es sich sowieso überhaupt nicht lohnt – materiell. Nicht nur bei diesem Shirt nicht, sondern nie. Ich brauche ja hundert Mal länger als eine gelernte Schneiderin und stattdessen etwas Neues zu kaufen wäre (leider) nicht einmal besonders teuer.

Was also klar ist: der Wert des Upcycling im Allgemeinen und dieser Reparatur im Speziellen rechnet sich eher auf ideeller Ebene. Ich mag eigentlich die englische Definition noch lieber, denn die trifft meine Motivation ziemlich gut: „enjoyable“ und „useful“. Da kommt natürlich ganz viel zusammen, das man schwer beziffern kann:

  • Die Kleidung, die genäht und wiederverwendet wird, hat meist bereits eine Bedeutung für mich oder denjenigen, der sie dann trägt
  • Ich kann Müll und den Kauf von neuen Kleidungsstücken vermeiden und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten
  • Ich habe unheimlich Spaß daran, aus etwas vermeintlich Wertlosen etwas Schönes und Brauchbares zu nähen
  • Ich liebe die Herausforderung, insbesondere bei den Projekten, bei denen nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, wie ich die alten Sachen schlau wiederverwenden kann
  • Für mich gibt es keinen besseren Abend als so einen, an dem ich etwas greifbares geplant, umgesetzt und fertiggestellt habe

Letztlich ist das Upcycling ein Hobby und bei einem Hobby hat man nicht den Anspruch, dass es sich „lohnt“. Meist zahlt man ja eher noch Geld dafür, ein Hobby ausüben zu können.

Allerdings gibt es da noch die „Cost per Wear“-Komponente, und die finde ich bei Kinderkleidung gar nicht unerheblich. „Cost per wear“ (CPW) ist ein eher theoretischer Wert der sich aus den Anschaffungskosten eines Kleidungsstücks, geteilt durch die Anzahl der Tage, die es getragen wird, berechnet. Viele vermeintlich günstige Kleidungsstücke, die heutzutage gekauft werden, sind eigentlich recht teuer, wenn man sie unter dem CPW-Aspekt betrachtet. Denn schlecht verarbeitete Kleidung trägt man nicht so gerne und sie geht schneller kaputt. Oft kommt es am Ende günstiger, wenn man ein wenig mehr Geld für gute Qualität beim Kleidungskauf in die Hand nimmt. Denn dort ist der Anschaffungspreis zwar höher, aber er kann auch durch eine viel größere Anzahl an Tagen geteilt werden. 

Wenn man neue Kinderkleidung kauft (wir machen das super selten), hat man immer das Problem, dass man den „Cost per wear“-Faktor schlecht einschätzen kann, unabhängig von der gekauften Qualität. Wie schnell wächst das Kind wieder raus? Wird das Wetter so sein, dass man es überhaupt tragen kann? Mag das Kind das Kleidungsstück oder liegt es nur im Schrank herum? Tatsächlich ist der Unsicherheitsfaktor recht groß und wir haben nicht selten für genau die Sachen am meisten Geld ausgegeben, die dann am seltensten getragen wurden. Der CPW war also hoch.

Im Gegensatz dazu stehen die Kleidungsstücke, die wir gebraucht bekommen haben und die einfach über alles geliebt werden. Der Anschaffungswert war in der Regel unter 2 € und geteilt durch die 100.000 Tage, die diese Kleider schon getragen wurden, liegt der CPW klar bei 0 € (Grenzwert). Da vermehrt sich das Geld geradezu bei jedem Tragen ;-) Lohnt es sich also nicht insbesondere, genau diese Kleidungsstücke so lange wie möglich zu verwenden? Ich denke schon. Letztlich doch nicht nur ideell, sondern auch materiell.

Ich habe das Shirt also gekürzt und es im Kreislauf behalten. Und wenn euch der CPW zu kompliziert war, dann denkt einfach daran, wie Kinderaugen leuchten, wenn die Mama das Lieblings-Kleidungsstück so verzaubern kann, dass es vor der Mülltonne gerettet und noch weiter getragen werden kann. Denn Mütter können einfach alles ;-)

So, und jetzt habe ich 10 Minuten genäht und 45 Minuten an diesem Blogbeitrag geschrieben. Ob sich das lohnt… keine Ahnung :-D

Jeans-Utensilo aus abgeschnittenen Hosenbeinen nähen mit Schnittmuster „Mary“

Habt ihr euch schon immer mal gefragt, was ich eigentlich mit den abgeschnittenen Hosenbeinen von den kaputten Kinderhosen mache, die ich zu Shorts gekürzt habe? Aus solchen Projekten:

Nun ja, ich frage mich das eigentlich auch ;-D Ich habe einmal ein Utensilo aus abgeschnittenen Hosenbeinen genäht, das Video findet ihr auf Instagram. Ansonsten war ich da bislang immer recht ideenlos, aber weggeworfen habe ich sie deswegen nicht.

Abgeschnittene Kinderhosenbeine und eine geflickte Hose bilden die Basis für mein Utensilo.

Bis mir das Probenähen von Ute von jotdot.de ins Auge gesprungen ist. Da durfte ich mitmachen und habe aus den Resten eine süße und sehr praktische Schildkröte genäht. Darf ich vorstellen? Mary!

Mary passt auf meine Nähsachen auf. Die Taschen sind dafür perfekt geeignet, sie ersetzen sogar das Nadelkissen.

Mary hilft mir beim Aufräumen von all den Dingen beim Nähen, die ich oft brauche oder die temporär herumliegen. Sie besteht aus Jeans außen, Webware innen und einem Frottee-Futter. Die Taschen der Kinderhose habe ich außen als Fächer wiederverwendet. Innen gibt es auch noch zwei Taschen. Der Kopf und die Beine sind mit klein geschnittenen Stoffresten gefüllt. Ein Zero-Waste-Projekt also noch dazu.

Durch die Details im Schnittmuster, bei denen Nähte von der alten Hose wiederverwendet werden, wird die Schildkröte besonders lebendig.

Utensilos kann man super nachhaltig herstellen, hier findest du ein paar Beispiele:

Und für noch mehr coole Ideen aus Jeansresten schaut unbedingt einmal bei jotdot.de vorbei! Da gibt es noch mehr Schnittmuster zum Verlieben!

Aktuell läuft auf Instagram auch wieder meine #sew_stainable_xmas_challenge. Unter diesem Hashtag findet ihr aktuell ganz viele Ideen zum Thema Deko und Geschenkverpackung.  Ich finde, Deko und Geschenkverpackungen sind mit Nachhaltigkeit immer nur schwer zu vereinbaren. Aber ein bisschen Flair darf zu Hause natürlich auch nicht fehlen. Umso besser also, wenn wir Ressourcen verwenden können, die ohnehin da sind!

Fünf Techniken, mit denen du aus jedem Stoff einen perfekten Upcycling-Pullover nähen kannst

Beim Upcycling musst (oder darfst!) du mit dem arbeiten, was du hast. Während du beim „normalen“ Nähen einen Stoff kaufst und das Schnittmuster nach Anleitung ausschneidest, hast du beim Upcycling die Herausforderung, dass die Stoffe in Größe und Beschaffenheit nicht ideal auf das Ergebnis abgestimmt sind. Das muss aber keine Einschränkung sein! Mit den richtigen Techniken machst du aus der alten Kleidung ein individuelles Designerstück! 

  1. Materialmix und doppelte Lagen
  2. Color Blocking
  3. Wiederverwendung von Nähten und Applikationen
  4. Verstecken von unschönen Aufdrucken
  5. Jersey-Bündchen

Ich zeige dir heute einen Upcycling-Hoodie, den ich nach dem Schnittmuster Lys von Krullenbol genäht habe. Über die Entstehungsgeschichte kannst du in meinem letzten Blog Beitrag lesen: 

Materialmix und doppelte Lagen

Normalerweise nennt man einen Hoodie aus Sweatstoff. Beim Upcycling kannst du aber auch andere Materialien verwenden. Mein Hoodie besteht aus Sweat, Jersey und Schal. Die Rückseite ist aus einer Sweatjacke genäht. Die hellgrauen Sweat-Teile sind aus einer Kinderjacke entstanden. Der Schal ist natürlich eigentlich zu dünn für einen Hoodie. Schals haben aber den Vorteil, dass sie oft schöne Muster haben. Und den Nachteil, dass sie oft selten getragen werden, weil man einfach zu viele hat! Hier kann man sich behelfen, wenn man den Schalstoff mit einem anderen dünnen Stoff, z.B. einem T-Shirt, doppelt verarbeitet. In der Summe haben die Lagen dann eine ähnliche Eigenschaft wie der Sweat. Der Materialmix macht das Ergebnis außerdem noch interessant!

In der inneren Lage lassen sich prima Stoffe verwenden, die aufgrund von Design oder Beschaffenheit ohnehin nicht als Oberstoff weiter verwendet worden wären.

Doppelte Lagen können es in den verschiedensten Projekten ermöglichen, eigentlich zu dünne Stoffe noch zu verwenden:

Color Blocking

Alte Kleidungsstücke können in der Regel nicht 1:1 für neue Kleidungsstücke verwendet werden, es sei denn, sie sind viel größer. Ich habe schon einige Male aus XXL Kleidung etwas neues für mich genäht. Der Klassiker ist Kinderkleidung aus alten Erwachsenensachen. Für all die Fälle, in denen der verfügbare Stoff von der Größe her nicht reicht, eignet sich Color-Blocking perfekt:

Du kannst jedes Schnittmuster zerteilen, um ein Color-Block-Stück daraus zu machen. Einfach mit geraden Linien die Schnittmuster-Teile zerschneiden und beim Zuschneiden daran denken, an diesen Rändern eine Nahtzugabe hinzuzufügen. Eine Anleitung findest du hier:

Übrigens lässt sich die Blocking-Technik auch da einsetzen, wo gar keine optischen, d.h. verschieden farbige, Blöcke gewünscht sind. Durch den Oversize-Charakter von „Lys“ mussten die Teile sehr breit sein, weil sie bist über die Schultern geschnitten sind. Hier hat selbst die XL-Sweatjacke nicht gereicht. Daher habe ich dunktelblause Stücke eingesetzt. Das fällt beim ersten Hinsehen gar nicht auf.

Der blaue Stoff hat eine Naht, da der ursprüngliche Stoff nicht groß genug war.

Wiederverwenden von Nähten und Applikationen

Das Schöne am Upcycling ist, dass man sich an schönen bestehenden Elementen orientieren und sie gekonnt wiederverwenden kann. Ich mache mir das oft zunutze, wenn ich Säume übernehme oder ein Kleidungsstück entlang der bestehenden Nähte verkleinere. Auch Applikationen kann man toll wiederverwenden:

Im Fall von „Lys“ habe ich den Stern wiederverwendet. Sieht in der Kombi mit den Kontrastfarben richtig cool aus!

Der Pailletten-Stern kommt in der Kombi mit den anderen Stoffen richtig gut zur Geltung.

Verstecken von unschönen Aufdrucken

Nicht alle Kleidungsstücke, die ich geschenkt bekomme, kann ich ohne Weiteres wiederverwenden. Unschöne Aufdrucke sind da oft ein Problem. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit solchen Shirts (ich habe sie einmal „Motto-Shirts“ genannte), umzugehen:

Im Fall von „Lys“ habe ich die Variante gewählt, in der der Aufruck auf der Innenseite verschwindet. Sieht ja keiner ;-)

Der Aufdruck ist auf der Innenseite der Ärmel gelandet. Dort sieht ihn keiner, der Stoff kann aber trotzdem nochmal verwendet werden.

Jersey-Bündchen

Bündchen sind eine tolle Sache und ich mag sie total gerne. Bündchen-Stoff hat man beim Ucpycling aber immer zu wenig zur Verfügung. Auch sind Bündchen an Altkleidern oft ausgeleiert. Man kann Bündchen aber auch einfach aus gut dehnbarem Jersey nähen. Davon hat man meistens etwas da.

In diesem Fall mochte ich das graue Shirt mit der nichtssagenden Farbe gar nicht. In der Kombination mit den anderen Stoffen in „Lys“ sieht er aber richtig gut aus!

Jersey-Stoff ist oft dehnbar genug, um ihn auch als Bündchen zu verwenden.

Einen Color-Block-Hoodie aus alten Sweatjacken und Shirts nähen nach dem Schnittmuster “Lys”

Ich wollte unbedingt einmal bei einem Probenähen teilnehmen. Eigentlich wollte ich ein Hoodie-Kleid nähen. Eigentlich mit Taschen. Eigentlich mit einem neu gekauften (!) Stoff (second hand). Irgendwie kam dann alles anders. Und, eigentlich, irgendwie, bin ich mit dem Ergebnis extrem zufrieden!

Was ist ein Probenähen?

Wenn man auf Instagram in dieser Näh-Bubble unterwegs ist, begegnet man immer wieder dem Phänomen „Probenähen“. Probenähen bedeutet, dass man vor der Veröffentlichung ein Schnittmuster nähen, Feedback geben und Fotos für ein Lookbook zur Verfügung stellen darf. Vielleicht, wenn ich irgendwann mal zu viel Zeit, Muße und die notwendigen Skills habe, möchte ich gerne Upcycling-Schnittmuster herausgeben. Meinen Recherchen zufolge ist das eine Marktlücke bzw. es gibt meist nur Anleitungen und nur sehr wenige richtige Schnittmuster* (*siehe unten). Aber bevor ich überhaupt anfange, muss ich erstmal das Business verstehen. Und an einem Probenähen teilzunehmen hat mir bereits gute Einblicke gegeben.

Das richtige Probenähen finden

Ganz so einfach ist das dann auch gar nicht. Zuerst muss man sich für ein Probenähen „bewerben“. Die Schnittmuster-Herausgeber suchen dann die Teilnehmer aus. Manche Instagram-Profile zeigen hauptsächlich Ergebnisse von Probenähen. Und auch ich bin wählerisch, weil ich bekanntermaßen ja auch nur Teile nähen möchte, die ich oder die Kinder wirklich brauchen. Dann sah ich den Probenäh-Aufruf von Sarah von Krullenbol und war sofort Feuer und Flamme. Ein Hoodie-Kleid, dachte ich, wäre genau das richtige für den Winter. Sowas habe ich noch nicht. Beworben, eingeladen, und zack war ich in der entsprechenden Facebook Gruppe.

Das Schnittmuster „Lys“ ist extrem oversize. Ich habe einen Hoodie in 36 genäht und habe bei den Ärmeln und an den Seiten je 1cm weggenommen sowie den Halsausschnitt und die Kapuze von Größe 40 genommen, nach dem Feedback in der Gruppe. So passt es perfekt!

Oversize = großer Stoff

Worüber ich mir keine Gedanken gemacht hatte: welchen Stoff ich jetzt da eigentlich verwenden wollte. Das Modell „Lys“ kann als Hoodie oder Kleid genäht werden und ist extrem Oversize. Das heißt, man braucht auch viel Stoff. Keins meiner Teile in meinem Upcycling-Stapel hatte eine entsprechende Größe. Ich wollte aber den Schnitt auch nicht verändern. Na gut, dachte ich, man muss auch investieren und ich bin kein Dogmatist. Vielleicht müsste ich doch mal ein Stück richtigen Stoff kaufen. Das habe ich noch nie gemacht! Mir war klar, dass ich keinen neuen Stoff kaufen würde. Aber es gibt genug Menschen, die Stoffe „gebraucht“ anbieten, die Sie dann doch nicht verwendet haben. Es folgten eine ausgiebige Recherche und eine Entscheidung für einen richtig schönen French Terry. 

Das Tetris-Spielen gehört beim Upcycling dazu. Meist gibt es nur genau eine Lösung, wie aus den Stoffen das neue Teil werden kann. Das Rätsel ist, die Lösung zu finden.

Ich möchte kein Material verschwenden

Dann kamen mir Zweifel. Oh weia. Was, wenn mir der Schnitt nachher nicht gefällt? Dann hätte ich diesen großen und auch recht teuren Stoff einfach so verschwendet. Was nun gar nicht meinen Prinzipien entspricht. Beim Probenähen wird der Schnitt auf Basis des Feedbacks nochmal angepasst. Das heißt anfangs ist er vielleicht nicht ganz perfekt. Das Hoodie-Kleid gefiel mir auf den Fotos der anderen Probenäherinnen auch nicht mehr ganz so gut bzw. hatte ich Zweifel, ob es mein Stil wäre.

Wendungen im Upcycling-Kreativ-Prozess

Also habe ich noch mal mein Lager durchforstet. Ich hatte auch noch im Hinterkopf die Idee mit dem Schal-Upcycling. Mit dem Schal und dem Farbkonzept in Blau- und Grautönen kamen dann auch die Ideen. Am Ende wurde es der Hoodie, ohne Kleid. So ein Upcycling-Kreativ-Prozess ist sehr inspirierend, überraschend, geprägt von vielen Wendungen und am Ende kommt etwas dabei heraus, das ein einmaliges Designer-Stück ist. Ich liebe es!

Die Teilungen am Rücken sind richtig cool. Fast sind es von vorne und hinten zwei verschiedene Teile.

Das Schnittmuster „Lys“ von Krullenbol gibt es bei Makerist. Es  ist ein super cooler oversiziger Hoodie bzw. kannst du Lys auch als Hoodiekleid nähen, was auch sehr cool aussieht. Lys wird aus dehnbaren Sweatstoffen wie French Terry oder Sommersweat genäht. Durch die Kragenkapuze ist der Hals schön vor Wind geschützt und außerdem richtig kuschelig.

Mit der richtigen Technik klappt’s

Für den Hoodie habe ich eine ganze Reihe an Upcycling-Techniken verwendet (Materialmix, doppelte Lagen, Color Blocking, Wiederverwendung von Nähten und Applikationen, Verstecken von unschönen Aufdrucken, Jersey-Bündchen). Dazu gibt es nächste Woche nochmal einen separaten Blogartikel. Ich bin super zufrieden mit dem Ergebnis, es ist irgendwie so eine coole Mischung aus gemütlichem Poncho, stylischem Colorblocking und vielfältig nutzbarem Winter-Schnitt geworden. I like!

Ich habe zum ersten Mal eine Kapuze genäht und bin stolz!

PS: Aus dem „neuen“ Stoff habe ich dann auch nocht etwas genäht. Stay tuned ;-)

Überblick Upcycling – Schnittmuster

Wenn ihr euch für Upcycling-Schnittmuster interessiert, habe ich euch hier einmal ein paar Beispiele zusammengestellt:

„Up&Out“-Upcycling-Bundhose und „Up&Out“-Upcycling-Latzhose von Tina (kids4kids.at)

Upcycling Jeans-Jacke von Bettina (Dongodesign)

Upcycled Shorts, Pants, and Bloomers Sewing Pattern von Heather (heatherhandmade)

I made my clothes

Ich habe mittlerweile schon eine ganze Reihe an Upcycling-Teilen für mich genäht, auch wenn das nicht der Hauptfokus meiner Nähtätigkeit ist. Schaut mal durch:

5 Gründe für das Upcycling von Sportsachen für Kinder aus abgelegten Erwachsenen-Sachen

Upcycling ist oft aufwändiger als „normales“ Nähen, aber nicht immer! Ich zeige euch heute 5 Gründe, warum ihr Sportsachen für Kinder prima aus euren alten Sachen upcyceln könnt, wie ihr damit Arbeit spart und warum auch die ausgeleierten Sachen immer noch tolle Kleidungsstücke ergeben können, die aussehen, wie neu!

Ich habe aus einem alten Sport-Shirt und einer alten Radlerhose eine Kinder-Sport-Outfit in Größe 116 genäht. Die Stoffe waren noch gut erhalten, lediglich die üblichen Schwachstellen waren vorhanden: Shirt zu kurz geworden, Gummi ausgeleiert, abgewetzte Stellen zwischen den Beinen. Wenn man um diese Stellen schlau drum herum arbeitet, kann ein Großteil des Stoffes noch lange weiterleben!

Bei der Hose hat der Stoff nicht für die Säume gereicht. Ich habe aus dem Rest des T-Shirts ein Bündchen und 2x einen falschen Saum zugeschnitten.

Halsbündchen und Schulternähte wiederverwenden

Sport-Shirts sind oft nahe anliegend am Hals und das könnt ihr euch zunutze machen: Kinder haben einen relativ großen Kopf, verglichen mit dem Rest ihres Körpers. Der Kopf wächst zuerst und das ist auch gut so, schließlich ist da eine Menge drin! Der Halsausschnitt von Erwachsenenkleidung unterscheidet sich daher nicht maßgeblich von dem von Kinderkleidung. Gut für das Upcycling! Wenn ihr das Schnittmuster direkt an den Schulternähten anlegt, könnt ihr Halsausschnitt und Schulternähte wiederverwenden. Einfach Vor- und Rückteil im Schulterbruch zuschneiden und euer neues Oberteil ist schon fast fertig!

Das neue kleine Shirt sieht fast genauso aus wie das alte große, es ist nur kleiner!

Säume wiederverwenden als neuen Saum

Auch den Saum der Ärmel könnt ihr wiederverwenden. Das sieht professionell aus und spart noch dazu Arbeit. Hier wird das Schnittmuster für die Ärmel direkt am fertigen Saum angelegt und ausgeschnitten. Nachdem die Ärmel an das neue Shirt angenäht sind, werden Ärmel und Oberteil auf die bekannte Weiße geschlossen. Das Nahtende, das entsteht, wird noch einmal abgesteppt.

Der alte Ärmel wird zugeschnitten und an der Naht geschlossen. Damit das Saumende schön aussieht, wird die entstandene Naht abgesteppt.

Säume wiederverwenden als falschen Saum

Die restlichen Säume, die abgeschnitten wurden, könnt ihr am gleichen Teil oder an anderer Stelle als falschen Saum wieder verwenden. Ich habe sie hier für die Beinbündchen an der Hose verwendet, weil der Stoff der Radlerhose nicht für einen Saum gereicht hat.

Im Hosenbund ist für den besseren Sitz noch ein Gumme eingezogen.

Wie ein falscher Saum aus T-Shirt-Saum genäht wird, erfahrt ihr hier:

Ausgeleierte Gummis entfernen

Sportsachen wandern oft in die Upcycling-Kiste oder in den Müll, weil die Bundgummis ausgeleiert sind. Der Rest des Stoffes ist aber noch gut! Daher kann er prima wiederverwendet, wenn man das Schnittmuster so anlegt, dass der Bund abgeschnitten wird. Da Kinderhosen kleiner sind als die von Erwachsenen, funktioniert das wunderbar und löst auch noch Problem 5.

In diesem Fall habe ich sogar die Vor- und Rücknähte beibehalten, aber einmal entlang der Innenbeinnaht genäht, um die alte Naht durch eine neue Naht zu ersetzen.

Abgewetzte Stellen entfernen

Beim Sport sind die Kleidungsstücke den immer gleichen Belastungen ausgesetzt. Es entstehen Wetzstellen, die sehr dünn sind oder reißen, oft an den Beinnähten oder den Schultern. Auch hier kann der restliche Stoff problemlos wiederverwendet werden, wenn diese Stellen großzügig ausgespart werden.

Aber Vorsicht: wenn der komplette Stoff dünn oder rissig ist, funktioniert es nicht. Dann sollte von einem Upcycling abgesehen werden, denn diese Teile werden nicht lange Freude bereiten.

Sucht ihr noch mehr Ideen für das Upcycling von Sport-Kleidung? Hier findet ihr Inspiration:

Geändertes Capsule Wardrobe Kleid kombinieren für alle Jahreszeiten

Am besten ist es doch, wenn man mit wenig Aufwand aus einem nicht getragenen Kleidungsstück eins kreieren kann, das man zu jeder Gelegenheit tragen kann. Das sind Nachhaltigkeit, Capsule Wardrobe, Spaß und Kreativität in einem!

Vorher war das Kleid oben herum zu weit.

Ich habe ein Kleid oben verkleinert, um es von Größe XL auf Größe M zu verändern. Dieses Kleid kann ich zu jeder Jahreszeit tragen, ob mit Sonnenbrille im Sommer, mit Jäckchen in der Übergangszeit oder mit Pulli im Winter.

Ein Kleid von oben kürzen 

Ich habe dieses aussortierte Kleid in Größe XL geschenkt bekommen. Mit dem Taillengummi war es nicht grundsätzlich unpassend, aber obenrum hatte es zu viel Stoff. Ich habe es oben auseinander geschnitten und es sozusagen von oben gekürzt, indem ich einen neuen Ausschnitt und neue Armausschnitte genäht habe. La voilà 😉

Ausschnitte säumen mit falschem Saum

Nachdem ich die neue Form aufgeschnitten hatte, hatte ich nicht mehr genug Stoff übrig, im die Ausschnitte neu zu säumen. Ich habe den Saum von einem anderen alten Kleid abgeschnitten und mit der Technik, die ich in diesem Beitrag beschrieben habe, angebracht:

Der Saum wird ca. 1cm von der Naht entfernt abgeschnitten und r-a-r am Ausschnitt angenäht. Dann wird der falsche Saum nach innen verstürzt und abgesteppt. Dadurch, dass der Saum schon gefaltet ist, lässt er sich ohne Bügeln verarbeiten und sieht ordentlich aus.

Der falsche Saum liegt innen und ist von außen nicht zu sehen.

Ich habe für den falschen Saum denn Innenstoff von einem anderen Kleid verwendet. Der Stoff ist vom Material her gleich und das weiß passt super zum Punktekleid.

Ein Kleid für jede Jahreszeit

Das Kleid lässt sich super zu verschiedenen Strickjacken kombinieren.

Der lockere Stoff ist leicht und angenehm im Sommer. Man kann das Kleid aber auch perfekt mit Strumpfhose, Strickjacken und Pullis kombinieren. So kann ich es zu jeder Jahreszeit tragen. Die perfekte Basis also für einen Capsule Wardrobe! Dunkelblau und Punkte sind dafür die perfekte Grundlage, finde ich :-)

Pullis und Kleider sind auch immer eine tolle Kombi.

Upcycling für Erwachsene

Upcycling für Erwachsene bedeutet nicht immer, etwas komplett Neues zu nähen. Die Möglichkeiten variieren von einfachen Änderungen wie hier über Patchwork-Techniken bis hin zu neuen Teilen aus zuvor großen Stoffen. Eins haben sie aber alle gemeinsam: sie schonen Ressourcen! Diese Teile habe ich schon für mich genäht:

Warum man keine Upcycling-Kaffeefilter aus Stoff verwenden sollte

Upcycling-Stoff-Kaffeefilter sind kein Ersatz für Papierfilter. Im Test läuft das Wasser viel zu schnell durch. Müllvermeidung und Wiederverwendung wiegen hier nicht die Nachteile der Zubereitung auf.

Life is too short for bad coffee

Guter Kaffee entsteht aus einer Vielzahl an Faktoren: Qualität der Kaffeebohnen, Röstung, Mahlgrad, Wassertemperatur, Durchlaufzeit. Ähnlich wie bei Slow Fashion kann man auch mit Slow Coffee vieles richtig machen. Googelt das Mal ;-) wer auf Nachhaltigkeit achtet, achtet zusätzlich auf Fair Trade. Nur was mir schon länger durch den Kopf ging: kann man auch noch den Müll von 1-2 Papierfiltern pro Tag vermeiden?

So koche ich normalerweise Kaffee: mit 12g handgemahlenem Kaffee und 200g nicht mehr ganz kochendem Wasser. 50g aufgießen, 30sek quellen lassen, dann die restlichen 150g Wasser aufgießen.

Vorüberlegungen für den Filtertest

Ich habe schon vor längerer Zeit einmal probeweise ein Stück Leinentuch zu einem Kegel genäht und als Kaffeefilter ausprobiert. Dabei ist mir gleich aufgefallen, dass das Wasser viel zu schnell durch den Filter geflossen ist. Der Kaffee wurde total dünn. Ich habe dann erstmal gegoogelt. Es gibt diverse Anleitungen und Schnittmuster für Stoff-Kaffeefilter im Internet. Es gibt auch Stoff-Kaffeefilter zu kaufen. Ich möchte keinem unterstellen, dass er seine Produkte nicht selbst testet oder dass ihm egal ist, wie der Kaffee schmeckt, aber: haben sie ihre Produkte auch mal selbst getestet oder ist ihnen egal, wie ihr Kaffee schmeckt?

Ein wissenschaftliches Kaffeefilter-Experiment

Ich bin ja wissenschaftlich veranlagt, deshalb habe ich mir vorgenommen, zu recherchieren und das Ganze etwas genauer zu testen. Ich habe die Zeit, die das Wasser durch den Filter läuft, gestoppt. Ich habe das Ganze mit einer Lage und mit zwei Lagen Stoff getestet. Ich habe auch einen Tipp aus dem Internet getestet und den Filter zuvor nass gemacht. All das erfolgt unter den exakt gleichen Bedingungen (gleicher Kaffee, gleicher Mahlgrad, etc.). Ceteris paribus nennt man das (= unter sonst gleichen Bedingungen).

Für den Test habe ich das gleiche Set-Up verwendet, nur mit 1) einfachem Stofffilter, 2) doppellagigem Stofffilterm 3) nassem doppellagigem Stofffilter.

Der Kaffee läuft bei Stoff doppelt so schnell durch wie bei Papier

Das Ergebnis war immer das Gleiche: mit Stoff läuft das Wasser doppelt so schnell durch den Filter wie bei einem Papierfilter. Der Kaffee schmeckt wässrig und ist überhaupt nur zu retten, indem man die dünne Brühe erneut durch den Kaffeesatz laufen lässt. Egal, ob der Stofffilter einlagig oder zweilagig war, trocken oder nass.

Weitere Herausforderungen

Und da habe ich mir über weitere Herausforderungen noch gar keine Gedanken gemacht…

  • Wie kriegt man den Kaffeesatz wieder aus dem Filter, ohne die Hälfte in dem Abfluss zu spülen?
  • Sollte man den Stofffilter mit der Hand waschen, auskochen oder in die Waschmaschine tun?
  • Würde man Waschmittelreste im Stoff und damit im nächsten Kaffee haben?
  • Wie sollte man die Kaffeefilter aufbewahren? (es gab Tipps, sie nicht zu waschen und stattdessen in Wasser liegend im Kühlschrank oder im Eisfach aufzubewahren… dann sehen sie aber immer so aus wie auf dem Bild unten…)
So ein dreckiger Stofffilter ist halt auch nicht besonders schön anzuschauen. Passt irgendwie dazu, dass dann gleich auch noch mein Testdokument dreckig geworden ist…

Stofffilter sind keine echte Alternative für mehr Nachhaltigkeit im Kaffeekonsum

Ich bin wirklich für Nachhaltigkeit und Müllvermeidung, aber es hat auch Grenzen. Wenn die Lösungen nicht alltagstauglich sind, dann bemühe ich mich lieber woanders. Der Stofffilter ist in die Tonne gewandert. Ich achte stattdessen auf faire Kaffeeproduktion und Bio-Qualität. Coffeecircle kann ich sehr empfehlen!

Habt ihr schon einmal Kaffeefilter aus Stoff probiert? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Upcycling bedeutet auch „Trial and Error“, wie soll man sonst etwas Neues herausfinden? Ich habe schon öfter diese Erfahrung gemacht und sage deshalb: „Embrace imperfection!“. In diesem Beiträgen habe ich das bereits getan und immer etwas gelernt:

Ich habe allerdings auch schon das ein oder andere Mal aus einer verrückten Idee für den Haushalt recht nützliche Dinge genäht. Experimente können durchaus auch glücken. Die seht ihr hier:

Alten T-Shirt-Saum beim Upcycling schlau wiederverwenden als falschen Saum

Ich liebe diese Upcycling Hacks, bei denen man mit wenigen einfachen Schritten ein Kleidungsstück wieder tragbar machen kann. Besonders schlau sind sie, wenn man bestehende Nähte oder Kurzwaren wiederverwenden kann. Hier habe ich den Saum von einem alten Kindershirt als falschen Saum für einen Hosenrand verwendet.

Vorher hatte die Hose größere Löcher im Saum. Diesen habe ich abgeschnitten und durch einen falschen Saum aus T-Shirt-Saum-Stoff ersetzt.

Wenn ich alte Kleidungsstücke für das Upcycling verwende, schneide ich meist etwas aus dem Stoff aus und werfe den Saum weg. Damit die neuen Stücke gut genäht aussehen, erhalten sie einen neuen Saum. Die entsprechenden Flatlays sehen dann oft so aus:

Allerdings gibt es auch häufig Situationen, bei denen ein schmales gefaltetes Stück Stoff benötigt wird. Schrägbänder und falsche Säume sind das perfekte Beispiel. Ein weiteres Beispiel sind Paspeln. Wie ihr aus dem Saum eines alten Shirts eine Paspeln näht, könnt ihr hier nachlesen:

Dieses Mal habe ich den Saum als faslchen Saum verwendet, um eine kaputte Hose zu kürzen und neu zu säumen. Ihr könnt lange oder Dreiviertel-Hosen mit Löchern an den Knien wunderbar noch zu Shorts kürzen. Dafür gibt es diverse Techniken, die ich euch hier vorgestellt habe:

Wenn die Hose selbst nicht aus dehnbarem Stoff ist, könnt ihr nicht einfach den Rand nach oben oder außen umschlagen, weil die Hose nach oben hin breiter wird. Ihr könnt aber einen dehnbaren Stoff annähen, z.B. mit der Overlock, und nach innen umschlagen. Ihr befestigt den Saum, indem ihr ihn von der linken Seite knappkantig absteppt. Das sieht richtig schick aus!

Der T-Shirt-Saum hat in meinem Fall genau die richtige Länge für die Ringe, die ich für die Hosenbeine benötige.

Wenn ihr einen abgeschnittenen Saum hierfür verwendet, schneidet ihr ihn vorher mit einem Abstand von 1 cm zur Saumnaht ab und schließt das Band zu einem Ring in der Länge des Beinumfangs der Hose. Dann näht ihr den Saumring und das Hosenbein r-a-r zusammen.

Die Ringe werden rechts auf rechts angenäht und dann nach innen geschlagen.

Der Vorteil vom Saumschrägband ist, dass ihr es nicht mehr bügeln, umnähen oder beim Absteppen feststecken müsst. Außerdem verbraucht ihr Stoffe, die sonst weggeworfen worden wären. Win-win und Zero Waste inklusive.

Am Ende sieht der Saum sehr professionell aus und die Hose hat die gewünschte Länge.

Ein falscher Saum mus nicht immer eine Kontrastfarbe haben. Wie ihr einen schicken falschen Saum ganz unauffällig gestalten könnt, habe ich euch hier gezeigt:

Und falls ihr euch gefragt habt, was ich mit dem Rest des T-Shirts gemacht habe: Die Aufdrucke von alten T-Shirts könnt ihr als Applikation verwenden oder für kleinere Projekte. Hier war es ein Teil der Kindergeburtstagsausstattung: